Plasencia Zigarrenfabrik in Esteli

Bereits 2017 entschloss ich mich eine Reise nach Nicaragua durchzuführen, um dort einige Zigarrenfabriken zu besuchen. Im Februar 2018 war es dann soweit. Als erste Anlaufstation wurde die Manufaktur von Nestor Plasencia in Estli besichtigt. Ich kenne Nestor schon seit ca. 4 Jahren.

Nestor Plasencia

Zum ersten Mal habe ich ihn auf der Intertabac in Dortmund getroffen und er war mir auf Anhieb sympathisch. Die Begrüßung fand in der hauseigenen Lounge und Bar statt. Wie es sich gehörte, wurde natürlich gleich eine Zigarre verkostet. Da bei Plasencia viele Marken von Alec Bradley produziert konnten wir neben den eigenen Marken auch folgende verkosten.  Alec Bradley Nica Puro, Alec Bradley The Lineage oder aber auch die Alec Bradley Black Market. Da ich die meisten Marken schon kannte, griff ich gleich zu neuen Plasencia Cosecha 146, einer neuen Zigarrenserie aus seinem Haus. Der Tabak hierfür stammte von der 146. Ernte eines ausgewählten Tabakfeldes. D.h. jedes Jahr wird ein neuer Jahrgang mit den Tabaken von diesem Feld herauskommen.

Plasencia Cosecha 146

Die Zigarre sah nicht nur gut aus, sondern schmeckte auch überaus gut. Leider wird die Zigarre erst in diesem Jahr nach Deutschland importiert, aber sobald diese verfügbar sein wird, kommt sie in unser Sortiment.

Das Bewässerungssystem auf den Plasencia Feldern

Nach der Zigarre ging es dann in den Bus und wir wurden auf die Tabakfelder von Nestor. Zuerst zeigte uns Nestor sein Bewässerungssystem, auf das er, zu Recht, sehr stolz ist. Es wurde eine Firma aus Israel damit beauftragt, die Bewässerung der Tabakfelder so zu optimieren, daß keine Ressourcen verschwendet werden. D.h. jede Pflanze bekommt nur die Menge an Wasser und Nährstoffen, welche sie auch wirklich benötigt.

Deshalb gibt es ein System aus Schläuchen, welche genau über der Wurzel ein Loch besitzen durch welches das Wasser und die Nährstoffe der Pflanze zugeführt werden. Durch diese Maßnahmen, konnte die Familie den Verbrauch an Wasser und Nähstoffen deutlich reduzieren. So ausgeklügelt wird das in Esteli tatsächlich nur von der Plasencia Familie durchgeführt.

Die Tabaksetzlinge oder auch die Baby Zigarren

Gleich neben dem Bewässerungswerk sind einige Gewächshäuser für die Aufzucht der Setzlinge platziert. Nestor zeigte uns diese Station und erklärte, wie wichtig es ist, den Setzlingen sehr große Aufmerksamkeit zu schenken. Nur wenn diese stark genug sind, können Sie den Schock des Umpflanzens in die Tabakfelder überstehen. Als nächstes konnten wir frisch gepflanzte Setzlinge im Tabakfeld bewundern. Hier sieht man übrigens besonders gut das Bewässerungssystem mit den erwähnten Schläuchen.

Tabakfeld mit Setzlingen

Die zukünftigen Deckblätter im Tabakfeld

Tabakfeld mit Deckblättern

Gleich danach besichtigten wir ein Feld für Deckblätter. Das erkennt man an der Überdachung durch Stoffbahnen. Dadurch knallt die Sonne nicht direkt auf die Blätter. Die Blätter und Adern werden so weniger dick und deutlich samtiger, als Tabak der direkt in der Sonne gezogen wird. Die Pflanzen waren hier schon gute 1,80 m – 1,90 m hoch, was man an dem Foto von mir und Nestor gut sehen kann.

Nestor Plasencia und ich

Aus grün wird braun – im Trockenschuppen

Plasencia Trockenschuppen

Die nächste Station bei der Herstellung von Tabak ist das Trocknen desselben, was in den sog. Trockenschuppen stattfindet. Die frischen Tabakblätter kommen in den Schuppen und werden an Holzstangen in Paaren befestigt. Die frischen Blätter hängen dabei unten und je trockener die Blätter sind, umso höher müssen diese im Schuppen gehängt werden.

Tabak für Zigarren im Trockenschuppen

Durch die Trocknung wird das Chlorophyll abgebaut, was man in der Farbveränderung von grün in braun sieht. Die Blätter schrumpeln mit der Zeit zusammen, a sie immer mehr Wasser verlieren.

Getrockneter Tabak wird verpackt

Wenn Sie Blätter trocken genug sind, werden sie in große Pappkartons verpackt und kommen in die Fabrik, zum Fermentieren.

Der Geschmack entsteht – die Fermentation von Zigarrentabak

Von den Tabakfeldern ging es dann wieder in die Zigarrenfabrik, um den weiteren Weg des Tabaks zu sehen. Der getrocknete Tabak wird in sog. Pilones aufgebaut. Das ist ein ovales Gebilde auf denen jeweils 35 Tabakblätter zu Bündeln zusammengebunden werden. Die Tabakhaufen“ haben dabei ein Gewicht von ca. 1.200 kg.

Pilones

Die Blätter werden aber vorher noch befeuchtet damit die Fermentation schnell in Gang kommt. Um dies am Anfang zu beschleunigen, werden diese mit einer Folie abgedeckt. Die Fermentation ist ein sehr wichtiger Schritt zum fertigen Tabak für Zigarren. Hier werden Säuren, Nikotin und Ammoniak abgebaut und im Gegenzug Aromen und Zucker gebildet.

Deckblätter werden nur einmal fermentiert. Umblätter und Einlageblätter in der Regel zwei Mal.

Entrippen, sortieren und Reifelagern

Entrippen des Tabaks

Nach der Fermentation werden die Deckblätter entrippt. Dazu wird der Mittelstrunk mit einer kunstvollen Bewegung herausgerissen und übrig bleiben zwei Blatthälften. Bei den Umblättern bzw. Einlageblättern wird nur der untere Teil des Strunks entfernt. Die Blätter werden im Anschluss in Ballen gepresst und für bis zu 2 Jahre gelagert, um noch mehr Aroma zu bilden.

In der Galera – hier werden die Zigarren gerollt

Nun geht es an einen weiteren wichtigen Schritt. Das Rollen der Zigarren. Der Raum in dem dies durchgeführt wird heißt Galera. In NicaraguaHonduras und der Dominikanischen Republik, wird in Paaren gearbeitet. Eine Person produziert den Wickel und die andere bringt das Deckblatt an. In Kuba hingegen wird von einer Person die komplette Zigarre gefertigt.

Der Wickel entsteht

Bei Plasencia kommt zur Herstellung des Wickels bzw. Puppe die Lieberman Maschine zum Einsatz. Die Einlageblätter und das Umblatt werden dabei auf ein breites Band gelegt und danach wird dieses Band an zwei Griffen nach vorne bewegt. Während dieser Bewegung wird das Umblatt zum Großteil über die Einlage gewickelt. Der Roller muss dann nur noch einen kleinen Teil des Umblatts weiterrollen.

Vorteil dieses Systems ist, daß es schneller geht als komplett per Hand und der Druck, mit dem die Einlage gepresst wird, immer gleichmäßig ist. Der Wickel wird dann für 30-45 Minuten in eine Pressform gelegt, um auch später, nach Anbringen des Deckblatts in Form zu bleiben.

Das Aufbringen des Deckblatts

Deckblatt einer Zigarre wird aufgerollt

Nun wird das Deckblatt auf den Wickel aufgerollt. Hier muss sehr vorsichtig gearbeitet werden. Das Deckblatt muss gedehnt werden, damit es keine Falte gibt, aber wenn es zu fest gedehnt wird, reißt es und kann nicht mehr verwendet werden.  Da Frauen oft eine bessere Feinmotorik besitzen, sieht man an dieser Position auch fast nur weibliche Mitarbeiter.

Im Anschluss wird die Zigarre noch auf die richtige Länge zugeschnitten. Danach kommt sie in die Farbsortierung und dann werden die Bauchbinden angebracht und die Zigarren in Kisten verpackt.

Anbringen der Bauchbinde

Am Schluss sollte dann so etwas dabei herauskommen 😉

Plasencia Cosecha 146

Zum Schluss gibt’s den eigenen Blend

Als Besonderheit zum Abschluss durften wir in den Blending Room von Plasencia. Auf einem Formular sollten wir eintragen, welche Zigarre wir gerne hätten. D.h. wie stark diese sein sollte und was ich schmecken will. Zum Glück hatten wir den Masterblender von Plasencia, der uns bei der Zusammenstellung der Tabake half. Ich bestimmte nur die Umblätter und der Masterblender wählte die notwendigen Einlagetabake, anhand meiner Stärke u. Aromavorgaben aus. Im Anschluss rollte er dann auch gleich die Zigarre mit den ausgewählten Tabaken.

Mein eigener Blend sah dann so aus:

Mein eigener Blend

Bevor wir uns vom Chef verabschiedeten, gab er uns noch ein Besonderes Andenken mit. Ich erhielt eine halbe Pressform, die auf der Außenseite beschriftet wurde. Diese Pressform wird einen Ehrenplatz in unserem Geschäft finden.

Alles in Allem war es ein toller Tag mit Nestor, der mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Pressform mit meinem Namen

Plasencia – ein tolles Familienunternehmen

Plasencia hat eine Vorzeigefabrik geschaffen, das neben einem eigenen Kindergarten (Montessori), auch eine Kirche und eine Krankenstation bietet. Es war mit Abstand die sauberste und auch vom Arbeitsklima eine der freundlichensten Zigarrenfabriken, die ich besucht habe. Ganz wichtig ist bei Plasencia die Nachhaltigkeit. Trotz einer Größe von 6.000 Mitarbeiter, ist es immer noch ein familiengeführtes Unternehmen, das nicht an kurzfristigen Gewinnen oder Quartalsergebnissen interessiert ist,  sondern an langfristigem, gesundem und sicherem Wachstum, damit auch die Nachfolgegenerationen noch bei Plasencia arbeiten können.

Beim Genuß einer Plasencia Zigarre sollte man auch an diese Aspekte denken, da schmeckt der Stumpen dann doppelt gut 😉

Start typing and press Enter to search