Vom Bierbrauer zum Whiskybrenner

Brennmeister des Kymsee Whiskys

Oliver Lang – der Macher des Kmysee Whiskys

Dass nicht nur in Schottland, sondern auch in Deutschland guter Whisky gebrannt wird, sollte sich bereits rumgesprochen haben. Bayern selbst ist eher bekannt für seine Edelobstbrände, gerade die Region Oberbayern, aber auch hier wird toller Whisky hergestellt. Die wohl bekannteste Brennerei aus dieser Region nennt sich Slyrs und liegt in der bekannten Ferienregion des SchlierSees.

Daß es auch an einem der bekanntesten Seen Deutschlands, dem Chiemsee auch eine Whiskybrennerei gibt, ist vielen Freunden edler Destillate noch nicht bekannt. Oliver Lange, ein diplomierter Bierbrauer, eröffnete 1994 seine Chiemsee Bräu Brauerei in Grabenstätt, einem beschaulichen Örtchen am Chiemsee. Seit dieser Zeit produziert er dort verschiedenste Biere, welche gleich vor Ort, in der Gaststube seiner Brauerei, verkostet werden können.

Schon immer hat den Braumeister auch das Destillieren fasziniert und so ist es naheliegend, daß er sich auch mit diesem Thema auseinandersetzte. Viele Jahre träumte er davon, noch einen Schritt weiter zu gehen und einen bayerischen Single Malt Whisky herzustellen.

Das liegt in der Natur der Sache, denn Whisky ist – einfach ausgedrückt – destilliertes Bier bzw. Bier ist ein halber Whisky. Für beides benötigt man Gerstenmalz und wer die Herstellung beider Getränke kennt, wird feststellen, daß die Produktion gleich oder sehr ähnlich ist.

Eine Brennanlage musste her

Im Jahr 2012 wagte er dann einen großen Schritt und investierte in eine 300 l Edelbrennanlage der Firma Holstein am Bodensee. Der erste Whisky wurde bald nach der Inbetriebnahme der Anlage gebrannt. Allerdings ist ein Single Malt Whisky erst dann ein Whisky, wenn er mindestens für 3 Jahre in Eichenfässern lagerte. So musste der erste Brand 3 Jahre im Keller der Brennerei in Bourbonfässern lagern, bevor er dann in Flaschen abgefüllt werden konnte.

Brennapparat Kymse Whisky

Der Name für das Destillat

Das Kund musste natürlich einen Namen bekommen und was war da naheliegender, als das bayerische Meer, so wird der Chiemsee auch genannt, einzubinden. Das Wort „Kym“ kommt aus dem keltischen und heißt so viel wie „großes Wasser“. Eine passende Bezeichnung für den Chiemsee. Sow wurde dieser See schon seit mehr als 500 Jahren als „Kymsee“ bezeichnet und geschrieben.

Da die Brennerei am Chiemsee liegt und das Wasser von einem Zulauf des Whisky stammt, war der Name dann schnell klar und so taufte Oliver Lange sein Destillat „Kymsee Whisky“.

Kymsee Whisky

2015 wurde der erste Single Malt vom Chiemsee abgefüllt

Feier des 1. Kymsee Whiskys

Am 25. September 2015 war es dann so weit. Oliver Lange organisierte eine Feier, um den ersten Kymsee Whisky der Öffentlichkeit vorzustellen. Ich war persönlich vor Ort und ließ mir vom Meister selbst eine Flasche des Brandes überreichen. In der Gaststube, sowie im Außenbereich des Chiemsee Bräus, konnte man den Whisky verkosten und dazu verschiedene Leckereien genießen.

Die Krone war ein Dudelsackspieler, der verschiedene Songs auf dem seltsamen, aber Ur-schottischen Instrument spielte. Das sorgte, neben dem Whisky und dem Essen, für ordentlich Stimmung.

Wie schmeckt er denn nun?

Zwei Besonderheiten weisen die Kymsee Whiskys auf. Als erstes wird das Gerstenmalz geröstet, weshalb der Whisky selbst einen dunkleren Farbton erhält und sich leicht schokoladige Noten im Mund bemerkbar machen. Eine weitere Besonderheit ist die dreifache Destillation. In Schottland selbst wird ja nur zweimal gebrannt. Deswegen sind schottische Single Malts etwas intensiver im Geschmack, brennen aber auch stärker auf der Zunge.

Auf der Zunge zeigt der Whisky Noten von Vanille, Kaffee, Schokolade und Bienenwaben und ist angenehm mild – brennt also nur leicht. Die Flasche hat eine quadratische Grundform, wird aber zur Flaschenmitte etwas dicke rund verjüngt sich wieder im oberen Bereich. Sie fasst 0,5 l des Destillats, das mit 42% optimal trinkstark ist.

Seit 2016 nun auch gefinishte Versionen

Bereits mit der ersten Abfüllung waren auch gefinishte Versionen geplant. Seit 2017 gibt es nun auch, immer in kleinen Auflagen, den Kymsee Whisky im Sherry Cask Finish und im Kymsee Whisky mit Quarter Cask Finish. Was heißt da? Nun, die letzten 12 Monate werden die Whiskys vom Ex-Bourbonfass dann in ein Sherryfass bzw. in ein Quarter Cask, also einem Fass mit ca. 50 l Fassungsvermögen umgefüllt. Durch diese anderen Fässer erhält der Whisky zusätzliche Aromen und wird geschmacklich noch interessanter.

Familiär und sympathisch

Was mir besonders gut gefallen hat, war die familiäre Umgebung, in welcher der Kymsee Whisky hergestellt wird. Hier ist wirklich noch alles Handarbeit, auch das Anbringen der Etiketten. Der Chef und seine Frau bedienen fachkundig und freundlich. Definitiv keine Massenware und 100% „Made in Bavaria“!

 

 

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